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Bei einem Wirte wundermild…
Donnerstag, 05. August 2010Bei einem Wirte wundermild…
Mit diesem Anklang an Goethes Gedicht über einen gastfreundlichen Apfelbaum betitelt Rufus Bergen, Redakteur der kritischen Zeitschrift DER STACHEL seine jüngste Satire. Er hat schon Besseres, Geistvolleres geschrieben und sich nicht so nahe an die Grenzen der Manierlichkeit herangewagt. Vielleicht ist ihm vor lauter Griechenland und Ölpest der Atem ausgegangen. Nun erholt er sich an einem internationalen Hotel, nordwestlich von Frankfurt gelegen, indem er einige vermeintliche Schwächen beim Arrangement von Veranstaltungen bloßlegt. Scheinheilig möchte er den Gästen einen Schock ersparen, sie statt dessen zu einer Kultur der Gewöhnung anhalten. Auch dem Hotel versucht er sich anzudienen, das ohne Mehrkosten zufriedenere statt muffliger Gesichter zu sehen bekäme. Man muß nur seine Satire lesen, dann klappt das schon. Es fällt uns freilich schwer, daran zu glauben.
Wie soll man etwa den Satz verstehen: Gänsebraten wird auf der Speisekarte nicht angeboten, was nicht heißen soll, die Direktion verstünde nicht, Gänse auszunehmen.
Oder: Lädt das Hotel auf eigene Kosten zu einer Vernissage mit Häppchen ein, so könne man von einem idealen Preis-Leistungsverhältnis ausgehen: Das Buffet kostet nichts, und das Angebotene ist nichts wert. Rufus Bergen traf hier auf alte Bekannte vom morgendlichen Frühstück: Fleischbällchen und Würstchen, am Abend in Gläschen mit einem Tropfen weißlicher Soße gesteckt. Die Würstchen hingen traurig über den Rand, als wollten sie sich davonstehlen… lieber Rufus Bergen, überlassen Sie die Poesie den Poeten!
Mit kühnem Schwung bescheinigt unser Satiriker dem Hotel Umweltbewußtsein: Speisereste würden nicht weggeworfen, sondern wieder an die nächste Generation von Gästen verfüttert und so auf den Weg der üblichen, biologischen Ausscheidung gebracht.
Auch eine andere Behauptung ist wohl eher sarkastisch gemeint: Das bei Veranstaltungen verabreichte sogenannte dreigängige Menü sei, verglichen mit à la carte Angeboten, halb so reichlich und doppelt so teuer. Schlankheitskuren seien eben kostspielig, meint Rufus Bergen.
Wie kam er auf den Titel Bei einem Wirte wundermild…? Dazu habe ihn eine Rede vor Beginn der Veranstaltung inspiriert, in der eine sympathische, hübsche – und nichtsahnende – Dame von den Köstlichkeiten sprach, mit der die Hoteldirektion die Gäste verwöhnen würde.
Gott sei Dank, krank sei bisher niemand geworden. Vielleicht sollte Rufus Bergen ein anderes internationales Hotel in Frankfurt (Name kann hier erfragt werden) einmal unter die Lupe nehmen: Dort ist mehreren Gästen an verschiedenen Tagen nach dem Genuß von Köstlichkeiten übel geworden. Vielleicht paßt als Überschrift für die neue Satire…da schüttelt er den Wipfel…
HDP
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